MAGAM-Studie

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Neuigkeiten aus der MAGAM Arbeitsgruppe:
22.11.2010: Erster Vorschlag eines harmonisierten Kategoriesystems für Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel verfügbar. > weitere Infos

Am 20. Januar 2009 trat die Verordnung zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, die sogenannte  CLP-Verordnung (Classification, Label­ling and Packaging; Verordnung (EG) Nr. 1272/2008) in der Europäischen Union in Kraft. Hiermit wird das GHS-System (Globally Harmonized System) zur inter­national einheitlichen Gefahrenbewertung und Kennzeichnung von Chemikalien ange­wandt.
Die dort genannten Vor­schriften für die Einstufung und Kennzeichnung gelten spätestens ab dem 1. Dezember 2010 für Stoffe und ab dem 1. Juni 2015 für Gemische (heute: Zubereitungen). Der Abverkauf von Produkten, die vor diesen Stichtagen hergestellt wurden, ist jeweils zwei Jahre länger erlaubt.
Mit der Einführung dieser Verordnung ändern sich auch die Einstufungskriterien, die Gefahren- und Sicherheitshinweise und die Gefahrensymbole. Die CLP-Verordnung setzt für die Berechnung der gefährlichen Eigenschaften deutlich niedrigere Grenzwerte u. a. für die Einstufung als ätzend oder reizend für Haut bzw. Augen als die bisher gültige Zubereitungsrichtlinie (1999/45/EG). Die Anwendung der Rechenmethode ergibt für heute nicht als gefährlich eingestufte Verbraucherprodukte, wie etwa Handgeschirrspülmittel, die Einstufung als „Ätzend für die Augen“.

Eine sachgerechte Kennzeichnung ist allerdings Voraussetzung für eine optimale medizinische Beratung und Behandlung im Vergiftungsverdachtsfall. Ein Kennzeichnungsverfahren, das die realen Gefahren stark überbewertet, kann zu nicht erforderlicher medizinischen Behandlung Anlass geben und dadurch indirekt das Risiko für einen Schaden an der Gesundheit des Betroffenen und unnötigerweise die Kosten im Gesundheitswesen erhöhen.
Um zu einer sachge­rechten Einstufung und der daraus resultierenden Kennzeichnung von Stoffen und Gemi­schen zu gelangen, wird daher das in der GHS-Verordnung genannte Instrument des Expertenurteils sehr wichtig werden. Die Experten können u. a. auch Daten aus Unfalldatenbanken, epidemiologische und klinische Studien sowie gut dokumentierte Fallberichte und Beobachtungen einbezie­hen (siehe Anhang I Nr. 1.1.1.3).

Vor dem Hintergrund dieser weitreichenden gesetzlichen Änderung in Europa haben die Gesellschaft für Klinische Toxikologie e.V. und die in ihr vernetzten 9 deutschen Giftinformati­onszentren (GIZ), die Österreichische Vergiftungsinformationszentrale in Wien und das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum in Zürich am 1. Oktober 2008 mit nachfolgend genannter Studie begonnen die humantoxikologischen Daten der letzten 10 Jahre bezüglich korrosiven Augenexpositionen mit ausgewählten Haushaltsprodukten zu analysieren:

Multinationale, retrospektive Analyse von Daten der Giftinformationszentren zur Frage korrosiver Augenläsionen durch feste Maschinengeschirrspülmittel und andere Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel (MAGAM)

Hier die Studie in einem kurzen Überblick: MAGAM Studie

Die Studie wird finanziell durch den Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW) unterstützt.

Der Teil 1 der Studie ist mittlerweile abgeschlossen und es wurden 1.8 Millionen humane Expositionen der Jahre 1998 - 2007 in allen 11 GIZ bezüglich Augenexpositionen mit 6 Produktegruppen aus dem Bereich Wasch-, Reinigungs- und Pflegemittel analysiert. Die Ergebnisse des ersten Teils wurden als Poster beim XXIX International Congress der European Association of Poisons Centres and Clinical Toxicologists, 12. -15. Mai 2009, in Stockholm, Schweden präsentiert: POSTER [Abstract in: Clin Toxicol 2009;47(5):477].

Im Teil 2 der Studie wurden bis Anfang Juli 2009 mehr als 2200 humane Augenexpositi­onsfälle in der neuen harmonisierten Fall-Datenbank der GfKT zusammengetragen und qualitäts­kontrolliert. Derzeit erfolgt die Analyse dieser Fälle.
Erste Ergebnisse zur Produktgruppe MASCHINENGESCHIRRSPÜLMITTEL  wurden als Vortrag beim XXX International Congress der European Association of Poisons Centres and Clinical Toxicologists, 11. -14. Mai 2010, in Bordeaux, Frankreich präsentiert: VORTRAG [EN] [Abstract in: Clin Toxicol 2010;48(3):245].

MAGAM Studienleitungsteam - 12.05.2010